Erfolgreich platziert dank guter Zusammenarbeit

Welche Erfahrungen die Pflegeeltern K. seit der Aufnahme ihrer Pflegekinder gemacht hat, lesen Sie im folgenden Text aus dem Jahresbericht 2015 mit dem Fokus Zusammenarbeit.

Unsere beiden Pflegekinder sind vor bald sechs Jahren bei uns eingezogen. Es war für uns eine aufregende Zeit, nochmals kleine Kinder bei uns zu haben, nachdem die eigenen schon ziemlich gross waren. Wir wurden somit ein weiteres Mal Eltern von kleinen Kindern, hatten aber gleichzeitig den Bedürfnissen der grösseren gerecht zu werden. Dies gelang uns ganz gut. Mit dem Einzug unserer Pflegekinder hatten wir auch plötzlich Kontakt mit den leiblichen Eltern, welche bei uns ein- und ausgingen. Obwohl wir von Espoir an den Entscheidungsprozesstagen gut darauf vorbereitet wurden, war dieser Kontakt zum Herkunftssystem der Kinder anfangs eine Herausforderung für uns. Wir waren froh, dass wir verschiedene und sich ändernde Situationen jeweils mit unserem Koordinator besprechen konnten. Zwischenzeitlich haben wir uns im «Ausbildungskurs zur qualifizierten Erziehung von Pflegekindern» der Pflegekinder-Aktion Schweiz (heute: Lehrgang der Pflegeeltern) weitergebildet und konnten auch in den Supervisionssitzungen zusammen mit anderen Pflegeeltern viel dazulernen. So gehört der Umgang mit der Herkunftsfamilie mittlerweile dazu wie die Erziehung der Kinder.

Ein Netzwerk von Personen ist involviert

Bei uns sind einige Personen in die Pflegeplatzierung involviert. Am nächsten ist der Koordinator von Espoir, der uns in spezifischen Fragen unterstützt. Er ist eine Vertrauens- und eine konstante externe Bezugsperson für uns und die Pflegekinder. Konstanz ist unserer Meinung nach für Pflegekinder sehr wichtig. Gerade wenn Fachpersonen ihre Stelle wechseln, was wir schon einige Male bei der Beistandsperson erlebt haben, löst das bei allen Beteiligten Unsicherheit aus. In diesen Momenten waren wir besonders froh um die Unterstützung der Espoir-Koordination. Mit der Beiständin, dem Koordinator und der leiblichen Mutter findet alle sechs Monate ein Standortgespräch statt, wo wir über die Entwicklung der Kinder berichten und Entscheide abholen, die wir nicht selber fällen dürfen (medizinische, schulische, Besuchsregelung). Eine weitere Fachstelle ist die Pflegekinderaufsicht, die uns einmal im Jahr besucht.

Mit den drei erwähnten Fachpersonen ist unserer Meinung nach eine ideale Unterstützung, aber auch eine Kontrolle und somit eine Absicherung unsererseits gewährleistet. An dieser Stelle ist auch die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) zu erwähnen, welche die Fremdplatzierung der Kinder verfügt hat. Mit dieser hatten wir selten zu tun. Fragen und Anliegen konnten meistens von der Beiständin oder vom Koordinator beantwortet und behandelt werden.

Plötzlich eine «öffentliche» Familie

Die Aufnahme unserer Pflegekinder hatte zur Folge, dass sich die Anzahl Termine und Aufgaben rasant erhöhte: Besuche der leiblichen Eltern, Standortgespräche bei der Beistandschaft, Besuche des Koordinators, Gesuche und Berichte schreiben. All das führte dazu,
dass wir uns oft zeitlich und örtlich für andere zur Verfügung stellen mussten. Hinzu kam, dass wir nicht mehr in allen Belangen entscheiden konnten, wie wir das bei den eigenen Kindern gewohnt waren. Wir haben aber Verständnis dafür, dass seitens des Staates und der Herkunftsfamilie eine Pflicht und ein Bedürfnis nach Information und Kontrolle bestehen. Letztendlich kommt dies den Kindern zugute.

Obwohl wir eine sogenannte «öffentliche» Familie sind, fühlen wir uns selten vom System eingeengt. Wir betrachten es als Unterstützung, dass unser Koordinator die Fäden in der Hand behält. Diese werden in ruhigen Zeiten gesponnen, damit sie auch in etwas stürmischeren Momenten halten. Das gilt einerseits für die Herausforderungen der spezifischen Erziehung, die Pflegekinder manchmal benötigen – hier hilft der Koordinator, unsere Kompetenzen zu erweitern – und andererseits für die bürokratischen und finanziellen Hürden, die übersprungen werden müssen. Manchmal kommen Fragen auf, die direkt mit der Beiständin der Kinder behandelt werden müssen. Eine Schwierigkeit besteht unserer Meinung nach in den Fäden, die ausserhalb unseres Systems gesponnen werden. Verschiedene Umstände tragen dazu bei, dass diese Fäden nicht oder nur mangelhaft mit unserem Netz verbunden, vernetzt und koordiniert werden können. Es wäre sinnvoll und hilfreich, wenn sich das Helfersystem der Herkunftsfamilie enger mit den Akteuren unseres Umfelds austauschen und absprechen könnte.

Die Meinung der Kinder wird gehört

Unsere eigenen Kinder haben wir schon vor der Aufnahme unserer Pflegekinder eng in wichtige Entscheidungen einbezogen: Es war für uns eine Voraussetzung, dass unsere Kinder unserem Vorhaben, Pflegekinder aufzunehmen, zustimmten. Wir akzeptierten auch den Wunsch unserer grossen Kinder nach einem bestimmten Geschlecht der aufzunehmenden Pflegekinder. Die Pflegekinder beziehen wir auch altersadäquat in Familienentscheidungen, zum Beispiel über das Ferien- und Freizeitprogramm, ein. Für die Standortgespräche, an denen sie nicht dabei sind, dürfen sie das Blatt mit dem Titel «Ich habe auch etwas zu sagen» der Pflegekinder-Aktion Schweiz gestalten.

Eine wohlwollende Haltung ist sehr wichtig

Pflegekinder sind uns aus berechtigten Gründen anvertraut worden. Trotzdem geben wir den Herkunftseltern einen Platz in unseren Herzen und vermitteln diese Haltung sowohl unseren Pflegekindern als auch allen anderen Beteiligten. Wir sind uns bewusst, dass die Kinder ein Teil ihrer Eltern sind, ganz egal wie schwierig vergangene Lebensabschnitte gewesen waren. Diese Haltung hilft den Pflegekindern, ihre eigene Identität zu akzeptieren und in ihr zu erstarken. Das Wohlwollen unterstützt uns auch in unserer Erziehungsarbeit. Die Kompetenz dazu erlangten wir neben dem Erfahrungswissen durch Weiterbildung, Vernetzung und Selbstreflexion. Wir haben uns in den vergangenen sechs Jahren auch selbst besser kennengelernt; ein schöner Nebeneffekt der Erziehung unserer Pflegekinder. Es war und ist unglaublich hilfreich, dass wir als Paar gut funktionieren und Lasten zusammen tragen.

Von Anfang an eine vertrauensvolle Zusammenarbeit

Wir erinnern uns noch genau daran, wie gespannt wir damals waren auf das, was auf uns zukommen würde. Diese Spannung schwappte oft in Ungeduld über. Als die Kinder bei uns ankamen, hatten wir schon bald das Gefühl, sie wären immer bei uns gewesen. Es war von Anfang an ein Gefühl inniger Vertrautheit. Trotzdem gab es anfangs wirklich schwierige Situationen, welche wir – auch dank der guten Begleitung von Espoir – stets meisterten. Zum Beispiel der Umgang mit den emotionalen Spannungen unserer Pflegetochter, die sie in einer Puppenspieltherapie abbauen konnte. Dort lernte sie ohne schlechtes Gewissen in zwei Familiensystemen klarzukommen. Die Zusammenarbeit zwischen der Schule, der Beistandschaft, der Therapeutin, Espoir und uns war vorbildlich. Der enge, auf Wohl bedachte Austausch zwischen allen Akteuren hatte einen positiven Einfluss auf unser Pflegekind. Heute besteht diese Vertrautheit noch immer: zu den Kindern, zur Herkunftsfamilie und in der Zusammenarbeit mit Espoir. Dabei ist jedoch unsere eigene Sicherheit gewachsen, was uns ruhiger und noch zufriedener werden liess. Wir bereuten die Aufnahme unserer Pflegekinder in keinem Moment. Sicher ist aber auch, dass wir Pflegekinder nie ohne fachliche Begleitung aufnehmen würden.

Pflegefamilie K.*
* Aus Datenschutzgründen nennen wir keine Namen.