Bulletin 2017

Platzierung von Säuglingen und Kleinkindern

Bestimmt haben Sie sich auch schon gefragt, wie Behörden vorgehen, wenn ein Säugling oder Kleinkind aus Kindesschutzgründen nicht mehr in seiner angestammten Familie aufwachsen kann. Wer entscheidet, welche Massnahmen und welcher Aufenthaltsort – Mutter-Kind-Einrichtung, Pflegefamilie oder Kleinkinderheim – für das Kind geeignet ist? Wie werden die abgebenden Eltern in diesen Prozess einbezogen? Fachpersonen aus dem Kindesschutzbereich müssen sich all diesen Fragen stellen, schlüssige Antworten finden und diese verständlich kommunizieren. Die ausserfamiliäre Platzierung von Kleinkindern ist in jedem Fall eine schwierige Aufgabe voller Widersprüche.

Ziel muss dabei immer sein, für das betroffene Kind eine möglichst optimale Lösung zu finden, damit es sich körperlich und emotional weitgehend «gesund» entwickeln kann und auch der Kontakt zu den Eltern nicht ganz verloren geht. Im vorliegenden Bulletin beschreiben Fachpersonen aus den unterschiedlichen
Perspektiven einer Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB), eines Kleinkinderheims und einer Pflegeplatzierungsorganisation die Indikatoren, die zu einer ausserfamiliären Platzierung führen können und welche Herausforderungen die aufnehmenden Organisationen meistern müssen, um den Bedürfnissen des Kindes gerecht zu werden.

Kinder haben ein Recht auf Unversehrtheit und Geborgenheit. Konstante Bezugspersonen und Nähe sind wichtige Voraussetzungen für die Bindungsentwicklung eines Kindes. Dies gilt als unbestritten; trotzdem müssen heute noch immer Kinder wegen umfangreichen Abklärungen und Abwägungen zu lange in einem nicht förderlichen Umfeld verbleiben und einen Teil ihrer wichtigen frühkindlichen Zeit im «Wartemodus» verbringen.

Espoir hat es sich in seinem 25-jährigen Bestehen zur Aufgabe gemacht, die Öffentlichkeit für die Belange von Kindern zu sensibilisieren. So haben wir im Rahmen unseres Jubiläumsjahres mit zwei öffentlichen Veranstaltungen im Juli und im Oktober 2017 dazu aufgerufen, dass gefährdeten Kindern rasch und
unbürokratisch geholfen werden muss, und dass die Zivilgesellschaft ebenfalls gefordert ist, genau hinzuschauen und hinzuhören.

Lucia Schmid

l.schmid@STOP-SPAM.vereinespoir.ch
Telefon: 043 501 24 10