Bulletin 2019

Ambulant vor stationär – im Kontext von Kindesschutzmassnahmen

Ist bei einer Familie mit Kindern das Kindeswohl infrage gestellt, sind alle involvierten Stellen stark gefordert. Die Entscheidung, welche Hilfestellungen diese Familien benötigen, um die Kinder angemessen zu versorgen, damit sie sich physisch und psychisch gut entwickeln können, bedarf in jedem Fall einer breit abgestützten Diskussion. Dies sowohl aus juristischer Sicht als auch aus Sicht der sozialen Arbeit.   

Die berechtigte und vermehrt anzutreffende Haltung, zuerst alle ambulanten Unterstützungsmassnahmen auszuschöpfen, bevor eine ausserfamiliäre Unterbringung des Kindes in Betracht gezogen wird, wird von Espoir sehr begrüsst und mit unserem Angebot der Sozialpädagogischen Familienbegleitung nach Kräften unterstützt. Nur, wie lange darf ein solcher Einsatz mit gutem Gewissen mitgetragen werden, wenn klar ersichtlich wird, dass trotz verschiedenster, langandauernder Hilfestellungen, die Eltern die für die Kinder nötigen Schritte kaum in die Wege leiten können? Wie können die Bedürfnisse der Kinder und Eltern, weiterhin als Familie zu bestehen, mit dem Primat des Kindeswohls in Einklang gebracht werden?

Wir haben vier Fachpersonen gebeten, diesen Fragen aus ihrer jeweiligen Sicht nachzugehen: So kommen zwei Familienbegleiterinnen zu Wort, die vor dem Dilemma Elternwille versus Kindeswohl stehen. Ausserdem beschreibt eine Beiständin das Spannungsfeld, welches sich in Fragen der Kindeswohlsicherung ergibt, insbesondere wenn die behördlich angeordneten Massnahmen so wirkungsvoll wie nötig und so wenig invasiv wie möglich sein müssen. Des Weiteren erläutert ein Jurist die rechtlichen Rahmenbedingungen im Kindesschutz, zeigt aber auch ihre Grenzen auf.

Alle Betrachtungen machen deutlich, dass es in Fragen des Kindesschutzes kaum einen einzigen richtigen oder falschen Weg gibt, sondern dass alle Familien in ihrer Einzigartigkeit zu respektieren sind. Solange das Kindeswohl im Vordergrund steht, können verschiedene Wege zum Ziel der Kindeswohlsicherung führen.

Gerne laden wir Sie ein, sich im vorliegenden Bulletin einen kleinen Einblick in diese sehr sensiblen Fragen zu verschaffen.

Lucia Schmid

l.schmid@STOP-SPAM.vereinespoir.ch
Telefon: 043 501 24 10

Startseite